– “Ein Vorgeschmack auf die Zukunft”: So lautete die Bildunterschrift, die Ferrari für die ersten Bilder des 499P in seiner überarbeiteten Form (Evo) verwendete, wenngleich es sich um ein wahres Feuerwerk an Details handelt, die bereits mit bloßem Auge erkennbar sind.
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Seinen Versprechungen gerecht werdend, rückte der überarbeitete LMH-Bolide aus Maranello in dieser Woche für zwei Testtage in Monza aus. Damit hat Ferrari begonnen, die Richtung für die kommenden drei Jahre vorzugeben. Ab der Saison 2027 wird der 499P Evo bei allen WEC-Rennen antreten.
Monza wurde als Ort für die Präsentation der ersten Updates ganz bewusst ausgewählt. Dort konnten Ferrari und AF Corse von Dienstag bis Donnerstag mit einem Fahrzeug in schwarz-weiß-grauer Tarnlackierung Daten und Informationen sammeln.
Diese Lackierung war zuvor nur im Sommer 2022 zu sehen, als das Hypercar-Programm der Scuderia anlief. Dass man jetzt wieder mit der Tarnlackierung testen war, ermöglicht einen direkten Vergleich zum aktuellen 499P. Der drehte in dieser Woche in Monza ebenfalls seine Runden.
Antonio Fuoco und Miguel Molina wechselten sich am Steuer des Autos mit der Startnummer 50 ab, während Antonio Giovinazzi und Alessandro Pier Guidi aus dem Aufgebot der #51 gemeinsam mit ihren Kollegen an einem Programm arbeiteten, das darauf abzielte, die Performance des Hybrid-Prototypen insgesamt zu verbessern.
Bereits bei den 24 Stunden von Le Mans, als wir die Gelegenheit hatten, mit Ferrari-Ingenieur Ferdinando Cannizzo zu sprechen, war deutlich geworden, dass die Updates für den 499P als Ganzes konzipiert werden würden, anstatt sich nur auf einen Bereich zu konzentrieren.

Mit einem verschmitzten Lächeln und einem Spiel mit den Zahlen hatte Cannizzo erklärt, dass der Plan für den Einsatz der Evo-Joker auf “weniger als vier und mehr als zwei” basieren würde. Dabei betonte er, wie wichtig es sei, das Auto als Ganzes noch schlagkräftiger zu machen.
“Ihr wisst sehr gut, wie viel Wert ich auf die Integration des Fahrzeugs lege. Alles muss gut zusammenpassen. Das schien uns der richtige Weg zu sein, um zu einem strukturierten Gesamtpaket zu gelangen. Anstatt jeweils nur einen Joker einzusetzen, werden wir ein Upgrade-Paket vorlegen, das eine wirklich umfassende Integration darstellt”, hatte Cannizzo im Juni in Le Mans gesagt.
“Wir haben eine Reihe Evo-Joker zusammengestellt, ganz im Sinne unserer Konstruktionsphilosophie. Jedes System ist mit den anderen verzahnt. Eine Änderung an der Hinterradaufhängung wirkt sich aus auf das Getriebe, den Motor und viele andere Aspekte, einschließlich der Aerodynamik.”
“Es erschien uns daher richtig, Änderungen an den mehreren Bereichen auf integrierte Weise vorzunehmen. Wir haben nicht erst ein Chassis entworfen und dann einen Motor und ein Getriebe hinzugefügt. Stattdessen haben wir alles unter dem Gesichtspunkt von Synergieeffekten betrachtet.”
“Genauso sind wir auch bei den Jokern vorgegangen. Wir haben die Bereiche identifiziert, die uns zurückhielten – also diejenigen, die unsere Performance einschränkten. Sobald wir das getan hatten, haben wir ganzheitlich am Gesamtpaket gearbeitet. Es wird kein komplett neues Auto sein, aber wir arbeiten daran und haben vier Evo-Joker zur Verfügung”, erklärte Cannizzo.
Ästhetische Feinarbeiten bis 2027 auf Eis gelegt
In Maranello hat man von Beginn des Hypercar-Projekts an unermüdlich am 499P gearbeitet, um sein großes verborgenes Potenzial freizusetzen. Man war sich bewusst, dass man ein Auto mit enormem Potenzial hatte, das jedoch schrittweise und mit akribischer Liebe zum Detail entfaltet werden musste.
Das erste offensichtliche Problem wurde gleich zu Beginn erkannt, als Schwierigkeiten beim Reifenmanagement auftraten. Anstatt sich nach zwei Siegen bei den 24 Stunden von Le Mans mit demselben Auto (2023 und 2024) auf den Lorbeeren auszuruhen, wurde Mitte 2024 der erste Evo-Joker eingesetzt.
Dieses erste Upgrade für den 499P umfasste eine Neugestaltung des Belüftungskanals für die Hinterradbremsen und gleichzeitig eine modifizierte Aerodynamik an der Front des Autos durch zwei seitliche Flaps (sogenannte “Flicks”) unterhalb der Scheinwerfer.

Der Rest wurde im Verlauf der Winterpause umgesetzt. Wie die Zahlen zeigen, fand genau dort die eigentliche interne und “geistige” Transformation statt, die dazu führte, dass Ferrari die erste Hälfte der Saison 2025 mit vier Siegen in Folge dominierte. Dabei gelang es, selbst auf Strecken, die sich für den 499P als schwierig erwiesen hatten, allen voran Sao Paulo und Fuji, Fortschritte zu erzielen und damit den Traum vom Gewinn aller zu vergebenden WM-Titel zu verwirklichen.
Nachdem die Saison 2025 vorbei war, räumte Cannizzo ein, dass die immensen Anstrengungen eine enorme Hilfe dabei gewesen seien, das Auto so zu gestalten, dass es seine maximale Performance erbringen konnte, dass aber im Vorfeld der Saison 2026 kaum noch etwas unerschlossen geblieben sei. Aber: Ein kleines, dem Fahrzeug innewohnendes Problem galt es noch auszumerzen. Genau das hat man jetzt mit der ersten Version des Evo-Pakets getan.
Allround-Entwicklung
Im aktuellen Zeitalter der Hypercars (LMH und LMDh) ist es nur natürlich, dass Fahrzeuge, deren Spezifikationen durch die Homologation “eingefroren” sind, so konzipiert werden, dass sie ihre maximale Performance unter bestimmten Bedingungen entfalten. Mit anderen Worten: Einige Hersteller wollten ein Auto, das in erster Linie die 24 Stunden von Le Mans gewinnen kann, während sie versuchten, den Rest der Saison irgendwie zu überstehen.
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Mehr oder weniger deutlich hat sich gezeigt, wie sehr Ferrari auf dem Circuit de la Sarthe von hervorragender Performance profitieren konnte, auch in diesem Jahr, als – trotz einer angeblich ungünstigeren BoP – schnellere Rundenzeiten gefahren wurden. Dies wiederum veranlasste das Team aus Maranello dazu, das Glas als halb voll zu betrachten.
Am Kern der Sache hat sich jedoch nichts geändert, und der von Cannizzo und den Technikern gewählte Ansatz verfolgte ein ganz konkretes Ziel: den 499P zu einem vielseitigen Auto zu machen, das sich in jeder möglichen Situation behaupten kann – auch in langsamen Kurven, die sich für Ferrari stets als problematisch erwiesen haben.

Folglich steht das Paket, das in dieser Woche beim Test in Monza sein Debüt feierte, im Einklang mit dem zuvor Erwähnten: einer Verbesserung des Autos als Ganzes. Die Tarnlackierung diente ganz offensichtlich nicht nur dazu, bestimmte Elemente und Details zu verbergen, sondern auch um zu betonen, dass es sich um ein laufendes Projekt handelt und dass sich bis zur Homologation des Autos für die Saison 2027 noch einiges ändern kann. Die Testfahrten werden in den kommenden Monaten fortgesetzt.
Die einzige Neuentwicklung in diesem Jahr ergab sich aus der Notwendigkeit, die Hypercars im Windshear-Windkanal in North Carolina (USA) überprüfen zu lassen. Um eine neue Zulassung der FIA zu erhalten, mussten am 499P einige kleinere ästhetische Dinge überarbeitet werden. All dies, kombiniert mit dem neuen Michelin-Reifentyp, hat den Ingenieuren von Ferrari das vollständige Bild geliefert, das sie benötigen, um den Weg bis ins Jahr 2027 zu planen.
Evo-Projekt noch lange nicht abgeschlossen
“Das Entwicklungsprogramm wird durch die Bewertung, Erprobung und Validierung einer Reihe technischer und aerodynamischer Lösungen fortgesetzt. Es handelt sich um einen schrittweisen Prozess, der bis zur endgültigen Homologation unterschiedliche Designoptionen offen hält und das Testen unterschiedlicher Konfigurationen auf der Rennstrecke als Teil der natürlichen Weiterentwicklung des Projekts beinhaltet”, heißt es in der Ferrari-Pressemitteilung im Anschluss an den Test in Monza.
Doch was können wir den ersten offiziellen (und inoffiziellen) Fotos entnehmen, die aus Monza aufgetaucht sind? Genau das, was wir oben erwähnt haben, nämlich die von Cannizzos Technikteam vorangetriebene Initiative, die sich auf das gesamte Fahrzeug auswirkt. Das bedeutet sowohl unter der Verkleidung, wo Änderungen mit bloßem Auge nicht erkennbar sind, als auch äußerlich, wo bereits in dieser frühen Phase einige Neuerungen erkennbar sind.

Beginnt man an der Front des 499P Evo, gibt es einige auffällige Unterschiede zum aktuellen Modell, dem in der WEC 2026 eingesetzten 499P. Der Splitter behält zwar die gleiche Form bei, ist jedoch höher angeordnet und weist im mittleren Bereich schärfere Kanten auf. Außerdem wurden zwei zusätzliche Flaps zu den ohnehin schon unter den Scheinwerfern angebrachten Flaps hinzugefügt.
Die Scheinwerfer sind nun kleiner, da direkt über der Nase ein zentraler LED-Streifen angebracht wurde. Dieser ersetzt die beiden kleinen Leuchten, die Anfang 2024 eingeführt worden waren. Die weißen Leuchten am Rand der Nase wurden beibehalten, wobei auf beiden Seiten oberhalb davon zwei weitere Beleuchtungssysteme hinzugekommen sind.
Zwischen Nase und Splitter wurde das Belüftungssystem modifiziert. Die beiden Lufteinlässe, die sich bislang in den Scheinwerfergehäusen befinden, sind bei der Evo-Version nicht mehr vorhanden. Stattdessen ist nun ein Paar neben dem zentralen LED-Streifen entstanden – versehen mit Unterbodenleitblechen, die die Luft in Richtung der seitlichen Abweiser leiten und hinter der Innenseite der vorderen Kotflügel vorbeiführen.
Eine weitere wichtige Neuerung: Zwischen dem neu gestalteten vorderen Radkasten und der Seitenverkleidung ist nun eine Öffnung zu sehen – dank einer Lösung, die den bereits von Porsche, Genesis und Toyota bekannten Lösungen ähnelt.

Im mittleren Bereich des überarbeiteten Ferrari wurden die Lüftungsschlitze oberhalb der seitlichen Abweiser verkürzt und in Richtung Motorenabdeckung versetzt. Dort wurden im unteren Bereich in der Nähe der Auspuffrohre drei weitere hinzugefügt. Zudem gibt es eine große Öffnung, die zum ebenfalls neu gestalteten hinteren Radkasten führt.
Und genau am Heck des Fahrzeugs konzentriert sich der andere wesentliche Teil der Überarbeitung. Während die Finne der Motorenabdeckung ähnliche Linien beibehält (mit einem leicht verbreiterten Lufteinlass oberhalb des Cockpits), hat man den Heckflügel komplett neu gestaltet. Die Anzahl der seitlichen Stützen hat sich verdoppelt, und im oberen Bereich beherbergen sie nun ein doppeltes horizontales Flügelprofil, das sich vom zentralen unterscheidet.
Im unteren Bereich wurde der zweite Flügel über dem Diffusor – der als “Beam-Wing” bekannte Flügel, der auch auch als Rücklichteinheit diente – ersetzt durch einen Streifen horizontaler roter LEDs. Dieser neue Leuchtstreifen ist in der Mitte der Öffnung des hinteren Radkastens angebracht. Dort ist auch eine Art Trennung in den Seitenprofilen zu erkennen.
Die Verkleidung am Heck wurde angehoben, um Platz für einen neuen Diffusor mit zwei deutlich größeren Bögen zu schaffen. Diese sind nicht mehr als eine Einheit verbunden, sondern geteilt worden, wodurch eine zentrale Öffnung entstanden ist. Die gesamte Baugruppe ist an den Seiten hinter den Hinterrädern mit der neu gestalteten Verkleidung verbunden. Deren Form wiederum wurde komplett und lässt nun an beiden Enden Platz für einen breiten Schlitz.
Das alles sind vorerst die Neuerungen, die am 499P Evo, wie er in Monza auf die Strecke ging, zu sehen sind. Doch vergessen wir nicht, dass alles noch geändert und überarbeitet werden kann und dass die bevorstehenden Tests bis zum Jahresende entscheidend sein werden, um die endgültige Lösung zu finden, welche dann durch die Homologation im Windkanal zertifiziert werden muss.
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Schon jetzt mangelt es bei Ferrari nicht an Zufriedenheit. Die Worte von Antonello Coletta, dem Leiter des Langstreckenprogramms in Maranello: “Die Tests in Monza verliefen positiv und ermöglichten es uns, das geplante Programm abzuschließen. Die beiden Tage waren äußerst wertvoll, um die Funktionsweise aller neuen Elemente zu überprüfen und erste Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche Richtungen am vielversprechendsten sind. Ziel ist es, die Lösungen für die nächste Saison so schnell wie möglich fertigzustellen.”
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