– Die offene Frage um die Zukunft des Langstreckensports am Nürburgring geht diese Woche in eine entscheidende Runde. Der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) hat verschiedene Parteien zum Schlichtungsgespräch nach Frankfurt geladen. (Trilogie: Darum geht es)
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Ob diese Gespräche Erfolg haben werden, wird sich zeigen. Der ADAC Nordrhein fürchtet um sein 24-Stunden-Rennen und versucht so mit seiner Serie, möglichst viel Territorium abzugreifen. Inwiefern das das 24-Stunden-Rennen davor bewahren soll, zwischen verschiedenen Veranstaltern im Worst Case rotiert zu werden, hat er bis heute nicht erklärt.
Es wird in erster Linie darum gehen, den ADAC Nordrhein davon zu überzeugen, sich keine Sorge um die Zukunft des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring machen zu müssen. Die Sorgen soll Nordrhein sowohl wegen dem “Haupt-ADAC” in München als auch dem ADAC Westfalen haben, möglicherweise gemeinsam mit einem weiteren großen Player.
Bekannt ist, dass Manthey Termine beim Nürburgring angefragt hat, Informationen von Motorsport-Total.com zufolge erfolgte diese Anfrage gemeinsam mit dem ADAC München. Zwar wurde sie schnell wieder zurückgezogen, trotzdem dürfte diese Anfrage den Anstoß zur eigenen Serie des ADAC Nordrhein gegeben haben. Ein Plan, der schon seit Jahrzehnten in dessen Schublade lag.
Kann der Nordrhein überzeugt werden?
Die Frage ist nun also: Kann der Haupt-ADAC, bekannt als DTM-Veranstalter, den Nordrhein davon überzeugen, dass er keine Angst um das 24-Stunden-Rennen haben muss?
In erster Linie handelt es sich also um eine ADAC-interne Angelegenheit. Gleichzeitig ist der ADAC der größte Geldgeber im DMSB, was die Situation nur noch verworrener macht. Wie schon im ersten Machtkampf ist vom DMSB bisher nichts zu hören gewesen. Damals äußerte er sich erst, als sich das Scheitern der NES bereits abzeichnete.
Ausgetragen wird der Machtkampf auf dem Rücken der Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS), die sich zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren im Überlebenskampf befindet. Die Stimmung innerhalb der VLN soll allerdings weniger angespannt sein als noch 2023 – vielleicht aufgrund des Gewöhnungseffekts, vielleicht, weil man fest davon ausgeht, dass der ADAC Nordrhein überzeugt werden kann, dass sein Rennen nicht in Gefahr ist.

Für die Saison 2027 hat die VLN acht Termine beim Nürburgring beantragt und wird sie höchstwahrscheinlich auch bekommen. Ein Kalender soll in Kürze bekanntgegeben werden.
Die Sorge des ADAC Nordrhein ist, dass eine Allianz aus dem ADAC München, Manthey und vielleicht sogar dem Nürburgring-Besitzer NR Holding gemeinsam in die VLN investieren könnte, um diesen Schritt als Sprungbrett zu nutzen, künftig um einen Termin für ein 24-Stunden-Rennen ab 2029 zu buhlen.
Da es aus Lärmschutzgründen nur einen 24-Stunden-Termin geben kann, müsste das Rennen dann zwischen den Veranstaltern rotiert werden, sofern die aktuelle Rechtsprechung, dass Termine diskriminierungsfrei vergeben werden müssen, beibehalten werden sollte.
Lässt die VLN das Gerichtsverfahren fallen?
Hier kommt die VLN wieder ins Spiel, denn es geht um das leidige Gerichtsverfahren gegen die NR Holding. Bisher hat die VLN jede Bitte, den Gerichtsprozess fallen zu lassen, ausgeschlagen.
Sie will ein wasserdichtes Abkommen, damit sie langfristig auf der Nürburgring-Nordschleife Rennen veranstalten kann, egal was in Zukunft kommen sollte. Der Rauswurf aus der Grünen Hölle im Jahr 2023, der nur durch einen Gerichtsprozess abgewendet werden konnte, hat tiefe Narben hinterlassen.
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Der ADAC Nordrhein hat am 27. Juli eine eigene Langstreckenserie ins Leben gerufen. Das Kalkül dahinter könnten zweierlei Dinge sein:

Entweder möchte der ADAC Nordrhein präemptiv so viel Territorium mit der neuen Serie für sich beanspruchen wie möglich, um bei einer Terminvergabe möglicherweise Vorteile zu haben. Oder er möchte die NLS kleinkriegen, weil diese von einem Großinvestor als Einfallstor für künftige 24-Stunden-Rennen benutzt werden könnte.
Somit müssen zwei wichtigen Parteien ihre großen Ängste genommen werden, die in einem Fall existenziell ist, im anderen geschäftsschädigend wegen mangelnder Planbarkeit. Eigentlich würden alle Seiten am liebsten mit einem 10-Jahres-Vertrag aus den Verhandlungen gehen – und die VLN zusätzlich mit einer Garantie, langfristig auf der Nordschleife fahren zu können.
ADAC Nordrhein hat kaum Verbündete
Allerdings wird auch von vielen Seiten Druck auf den ADAC Nordrhein gemacht. Die neue Serie wird derzeit im Fahrerlager als ähnlich invasiv wahrgenommen wie die Nürburgring-Endurance-Serie (NES) von der NR Holding und dem AvD. Diese wurde letzten Endes zu Fall gebracht, als eine Reihe von Marshal-Absagen zur Absage ihres ersten regulären Rennens führten, das nur mit einer Handvoll Autos stattgefunden hätte.
Die Teamvereinigung ILN stellt zu Beginn der Verhandlungswoche eindeutig klar: Für 2027 gilt der volle Support der NLS. Allerdings lässt dieses Wording weiterhin eine Tür offen, über die Zukunft ab 2028 zu reden. Dass der ADAC Nordrhein einen signifikanten Teil der Teams dazu überreden kann, in seiner Serie zu starten, scheint aber derzeit nicht wahrscheinlich.
Zahlreiche Teambesitzer sind sauer, dass der eigentlich gut laufende Langstreckensport nun wieder in eine Krise gestürzt wurde. Sponsoren sind verunsichert, Expansionspläne auf Eis gelegt. Der ILN-Vorsitzende Martin Rosrius kritisiert die 24h-Serie als “überstürzt eingeführt”.

Die anderen großen Stakeholder, ADAC München, die anderen ADAC-Regionalvereine und der Rennstreckenbesitzer NR Holding sind nicht unbedingt als große Fans des ADAC Nordrhein bekannt. Derzeit hat er also kaum Verbündete. Es gibt sie, aber sie sind vergleichsweise rar gesät.
Gleichzeitig betont die ILN, dass sie im Zuge des aktuellen Machtkampfes mehrere neue Mitglieder aufgenommen hat, womit die Front von unten gegen die 24h-Serie des ADAC Nordrhein angewachsen ist. Sie betont, dass sie mittlerweile 45 Prozent der Starter des 24-Stunden-Rennens auf sich vereint.
Sollte der ADAC Nordrhein durchziehen, droht die Sache zum Bumerang zu werden, der dann auch wieder das 24-Stunden-Rennen treffen könnte. Was, wenn die ILN zum kollektiven Boykott des Rennens aufruft, über 70 Autos sofort abgezogen werden und sich andere Rennställe möglicherweise anschließen? (Wir haben in einer Kolumne schon gewarnt)
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Die Peitsche ist also dem Zuckerbrot bereits beigelegt, das dem ADAC Nordrhein diese Woche serviert werden soll. Wie das Gespräch ausgeht, bleibt abzuwarten. Wichtig ist zumindest, dass miteinander geredet wird.
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