Hartog-Heldentat: Schwerste Vorwürfe gegen Veranstalter China GT

Hartog-Heldentat: Schwerste Vorwürfe gegen Veranstalter China GT

– Der schwere Feuerunfall bei der China GT in Shanghai am vergangenen Wochenende zieht einen Aufschrei in den sozialen Medien nach sich. Loek Hartog eilt vor seinem Start beim “Double-Header” der Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS) derzeit von Interview zu Interview und wird zu Recht als Held gefeiert. Der Veranstalter muss sich derweil sehr unangenehmen Fragen stellen.

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Titel-Bild zur News: Loek Hartog rettet Ollie Millroy eigenmächtig

Aufnahmen aus Loek Hartogs Porsche 911 GT3 R (992) zeigen, dass das Streckenpersonal im Umgang mit Feuerlöschern so ungeschickt agiert, dass man bezweifeln darf, ob es jemals eine Schulung erhalten hat.

Ein Marshal überreicht Hartog den Feuerlöscher und entfernt sich sofort wieder von der Stelle. Ein weiterer Marshal, der etwas später ankommt, hat große Mühe, den Feuerlöscher zu entriegeln. Ein Feuerlöschfahrzeug war ebenfalls nicht zu sehen.

Zudem dauerte es 15 Minuten, bis ein Krankenwagen zur Stelle war. Wie Yang Baijie, der ebenfalls in den Unfall verwickelt war, berichtet, habe der Fahrer der Ambulanz während des Rennens geschlafen. Er kündigt in einem wütenden Posting auf Instagram seinen Rückzug aus der China GT an und geißelt dabei unter anderem das Verhalten der Sportkommissare.

“Nach dem Rennen haben uns die Sportkommissare in den Anhörungsraum zitiert, ohne zu wissen, ob der Fahrer in Sicherheit war. Es gab keine Begrüßung, keine Nachfrage nach den beiden anderen beteiligten Fahrern, kein Wort des Trostes”, sagt er.

“Sie verloren kein Wort über ihre eigene Rettungsreaktionszeit. Ich war fassungslos, dass ihre erste Reaktion ein Lächeln war – ein Versuch, die Verantwortung auf uns abzuwälzen. Der Chef-Sportkommissar tat dies mit erschreckender Arroganz als anfängerhaften Fehler ab.”

“Mein Teamkollege ist ein Werksfahrer. Ein Daytona-Sieger. Und dennoch war ihr erster Reflex zu fragen, ob wir helfen würden, die öffentliche Meinung gegen uns selbst zu lenken, um von ihren eigenen Versäumnissen abzulenken.”

Mangelhafte Kommunikation während und nach dem Rennen

Auch das taiwanische Team FIST Auto / AAI Motorsports, für das Ollie Millroy fährt, äußert sich sehr ungehalten über den Veranstalter und kündigt ebenfalls den Rückzug aus der Rennserie an. “Die Rennorganisation hat bei der Notfallversorgung und der Absicherung der Rettungsarbeiten vor Ort schwerwiegend pflichtvergessen gehandelt. Es gab deutliche Lücken in der Rettungsreaktion, was beinahe zu einer Tragödie geführt hätte”, heißt es in dem Statement des Teams.

“Besonders empörend ist, dass das Personal der Rennleitung während der Live-Übertragung die Situation vor Ort nicht überprüft und voreilig gemeldet hat, der Fahrer habe das Fahrzeug selbstständig verlassen.” Tatsächlich wurde in einem ersten Statement berichtet, der Fahrer sei eigenständig ausgestiegen. Das wurde erst später korrigiert.

“Nach dem Unfall gelang es dem Veranstalter nicht, unverzüglich ausreichende medizinische Ressourcen für die Versorgung bereitzustellen. Bis heute gab es seitens des Veranstalters keine offizielle Entschuldigung gegenüber dem Team und den Betroffenen für die aufgetretenen schwerwiegenden Versäumnisse”, heißt es weiter.

“Das Verhalten des Veranstalters – das Missachten von Lebensrisiken, das Dulden von Fehlinformationen in der Live-Übertragung und das Herunterspielen der Schwere des Unfalls – ist äußerst unverantwortlich. Es tritt Branchenstandards mit Füßen und hat das Vertrauen des Teams, der Angehörigen des Fahrers und der gesamten Motorsport-Community schwer erschüttert. Wir verurteilen dies aufs Schärfste.”

“Um unseren scharfen Protest zum Ausdruck zu bringen, zieht sich unser Team mit sofortiger Wirkung aus allen zukünftigen Rennen der China GT Serie zurück. Dies gilt so lange, bis das Rennkomitee eine vollständige, unabhängige und öffentliche Untersuchung der Versäumnisse bei den Rettungsarbeiten und allen damit zusammenhängenden Problemen abgeschlossen hat und unserem Team eine offizielle Antwort vorlegt.”

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Prominente Kritik aus den USA

Kritik kommt auch von prominenter Seite: Schauspieler und Kampfkünstler Daniel Wu, der chinesische Wurzeln hat und ebenfalls Rennfahrer ist, äußert sich in den sozialen Medien fassungslos über die Zustände beim Rennen auf dem Shanghai International Circuit.

“Der Unfall wurde in der Übertragung gezeigt und es wurde sofort weggeschaltet. Dann dauerte es noch eine weitere halbe bis ganze Minute, bis die Rennleitung die rote Flagge zeigte – viel zu langsam. Von diesem Zeitpunkt an wurden wir komplett im Dunkeln gelassen, weil niemand wusste, was los war”, sagt der in den USA lebende Schauspieler.

“Die Marshals stolperten völlig planlos herum, wussten offensichtlich nicht, was sie taten oder was in einer solchen Situation zu tun war. Ich bin mir nicht sicher, warum das Feuerwehrfahrzeug so lange gebraucht hat, um dort anzukommen, aber es wurden auf dem gesamten Weg ganz klar Fehler gemacht.”

“Und dass die China GT selbst 36 Stunden später das Geschehene nicht einmal einräumt oder eine Stellungnahme abgibt, ist schändlich, wirklich schändlich. Damit sich eine Person, eine Organisation oder ein Unternehmen verbessern kann, muss man als Erstes anerkennen, was schiefgelaufen ist. Einen Fehler eingestehen, ihn zugeben, dann analysieren, was passiert ist, und herausfinden, wie man verhindert, dass sich das wiederholt.”

“Es ist ganz einfach, ganz grundlegend. Aber in diesem Fall wirkt es so, als würde alles unter den Teppich gekehrt – in der Hoffnung, dass niemand mehr darüber spricht und die Sache einfach verschwindet. Aber genau deswegen liegt derzeit ein Mensch im Krankenhaus mit schweren Verbrennungen, Knochenbrüchen und allem Drum und Dran. Und sie haben keinerlei Verantwortung für das Geschehene übernommen. Stattdessen versuchen sie sogar, den anderen Fahrern die Schuld zuzuschieben, die den Unfall verursacht haben.”

“In diesem Fall hat ganz offensichtlich das gesamte System versagt. Damit der chinesische Motorsport besser werden kann, müssen diese Veranstalter besser werden. Und um besser zu werden, muss man seine Fehler einräumen. Bitte macht es besser. Lernt aus diesem Fehler. Lernt aus dem, was gestern passiert ist. Wegen Fahrlässigkeit hätte jemand sterben können. Und das müsst ihr anerkennen. Es ist wirklich so einfach.”

Helfer unterbezahlt, erstes Statement der Serie

Einem Bericht der South China Morning Post zufolge sollen die Marshals bei dem Rennen eine Aufwandsentschädigung von lediglich 60 Yuan pro Tag erhalten haben, was etwa 7,70 Euro entspricht. Das ist auch für China äußerst wenig, gerade im Raum Shanghai, und soll deutlich unter der Bezahlung von Ticketverkäufern (180 Yuan pro Tag) und Security-Personal (200 Yuan pro Tag) gelegen haben.

“Was kann man von einem Helfer erwarten, dessen Tagessatz niedriger ist als der Feuerlöscher, den er trägt?”, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf geleakte Dokumente.

Der Bericht zitiert auch ein erstes Statement des Veranstalters. “Nach unserer vorläufigen Überprüfung entsprachen die personelle Ausstattung und die Ressourcen der Veranstaltung insgesamt den Anforderungen an ein Motorsport-Event auf nationaler Ebene, wenngleich im Detail des operativen Managements noch Verbesserungsbedarf besteht”, schrieben die Veranstalter.

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“Wir werden den Unfall weiter überprüfen und untersuchen sowie umfassendere Pläne ausarbeiten, um Schwachstellen in der Rennorganisation, der Betreuung, der Notfallversorgung, den Rettungseinsätzen und den medizinischen Diensten zu beheben.”

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