– Liebe Freunde der Grünen Hölle,

irgendwie scheinen die Zeiten am “Ring” ja zu ruhig gewesen zu sein. Die neue Langstreckenserie des ADAC Nordrhein war jedenfalls eine Bombe, deren Sprengkraft so gewaltig war, dass die Auswirkungen noch dabei sind, sich zu sortieren. Klar ist bereits: Jetzt steht richtig viel auf dem Spiel, und zwar für alle Beteiligten.
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Für die NLS geht es wieder mal ums nackte Überleben. Das ist für sie mittlerweile nichts Neues mehr und entsprechend sieht man die Situation dort überraschend entspannt. Wie schon zu NES-Zeiten gilt, dass die neue Serie des ADAC Nordrhein der NLS nur einen Bruchteil ihrer jetzigen Starter abluchsen muss, damit sie sich finanziell nicht mehr trägt.
Doch genau damit geht der ADAC Nordrhein ein hohes Risiko ein, denn die VLN in Schieflage zu bringen, könnte dieselbe Einfallstür öffnen, die er 2024 noch selbst genutzt hat. Und ihn letztlich das 24-Stunden-Rennen kosten.
Der ADAC Nordrhein hat mittlerweile zahlreiche Stakeholder am Nürburgring gegen sich aufgebracht: Seine Schwestervereine Mittelrhein und Westfalen sind in der NLS engagiert. Dem Mutter-ADAC in München ist das Verhalten des ADAC Nordrhein schon länger ein Dorn im Auge. Etwas unklar ist noch die Position des Nürburgring-Besitzers NR Holding, als großer Fan des ADAC Nordrhein war er aber nie bekannt.
Die Teamvereinigung ILN hat sich klar gegen die neue Serie positioniert. Gespräche am Wochenende des 6-Stunden-Rennens sollen zu keinem guten Ergebnis gekommen sein. Nicht die besten Voraussetzungen, eine Rennserie am Nürburgring zu etablieren.
Der Feind meines Feindes
Zur Erinnerung: Der ADAC Nordrhein stieg Anfang 2024 gemeinsam mit den anderen beiden ADAC-Regionalvereinen Mittelrhein und Westfalen als Sponsor in die NLS ein, die damals finanziell klamm war. Das war von Anfang an eine Zweckehe, wie Insider verraten, denn zwischen Westfalen/Mittelrhein und Nordrhein soll es schon länger Unstimmigkeiten gegeben haben.
Doch das Einfallstor wurde mit dieser Aktion geöffnet. “Wer auch immer jetzt in wirtschaftlich schwachen Zeiten in die VLN investiert, kann die Zukunft des Langstreckensports am Nürburgring steuern. Inklusive des 24-Stunden-Rennens”, heißt es von einer gut informierten Stimme im Fahrerlager.
Soll heißen: Sollte der ADAC Nordrhein die NLS erneut in eine Existenzkrise stürzen – und mittlerweile ist er durchaus bereit, über die Leiche der NLS zu gehen -, so könnte er sich plötzlich einer unerwarteten Allianz gegenübersehen, die erst in die VLN investiert und dann diese nutzt, um selbst ein 24-Stunden-Rennen zu veranstalten.

Wen diese Allianz alles umfasst, bliebe abzuwarten, aber in Frage kämen zahlreiche Player – vom ADAC München und den Regionalvereinen Westfalen und Mittelrhein über die NR Holding bis hin zu internationalen Akteuren wie SRO (obschon sie derzeit Partner des Rennens ist, aber Dinge können sich ändern) und Creventic.
Viel verbindet diese Player nicht, doch sollte es darum gehen, den ADAC Nordrhein als gemeinsamen Feind in die Schranken zu weisen, sind solche Allianzen nicht ausgeschlossen. Bekanntermaßen ist der Feind meines Feindes mein Freund. Damit hätte sich der ADAC Nordrhein seine größte Angst selbst erschaffen.
Die Vision des ADAC Nordrhein
Wie bereits in unserem dreiteiligen Special dargelegt, spielen zwei Kernpunkte die Hauptrolle im neuerlichen Machtkampf: Unterschiedliche Auffassungen über die Zukunft des Langstreckensports am Nürburgring und das laufende Gerichtsverfahren zwischen der VLN und der NR Holding – ein Überbleibsel des ersten Machtkampfes von 2023, das für alle eine Last ist.
Mit der am 10. August verkündeten Nenngeldstruktur hat der ADAC Nordrhein ein Bekenntnis zum Breitensport abgegeben. Selbst die Produktionswagen, über die er gar keine Reglementshoheit hat, stehen mit in dem veröffentlichten Dokument drin. Doch die wenigsten glauben, dass das 24-Stunden-Rennen langfristig Breitensport bleiben soll.
Mirco Hansen, Leiter Motorsport im ADAC Nordrhein, verfolgt bereits seit langer Zeit eine Vision: Die 24 Stunden vom Nürburgring sollen endlich ihr Potenzial auf wirtschaftlicher Ebene voll entfalten. Sie kämpfen nämlich seines Erachtens unter der Gewichtsklasse, in die das Rennen gehört. Dabei hat er, wie man hört, die volle Unterstützung des Vorstandes des ADAC Nordrhein.
“Er will der Stephane Ratel vom Nürburgring werden”, sagte mir ein Informant schon vor Jahren im ersten Machtkampf am Nürburgring. Bei der Umsetzung dieser Ziele hat der ADAC Nordrhein durchaus Erfolge vorzuweisen.
Schon vor Max Verstappens Start stiegen die Zuschauerzahlen signifikant. Noch 2025 wurde ein Rekord von 280.000 Zuschauern verkündet. Auch die Professionalisierung des Drumherums hat enorm zugenommen. Ein 24-stündiger Livestream, der heute als selbstverständlich wahrgenommen wird, existiert erst seit zehn Jahren.
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Und dann ist da natürlich der Verstappen-Faktor. Mit einem Schlag war das Rennen in der ganzen Welt bekannt. Man darf dabei nicht vergessen: In Deutschland mögen die 24 Stunden vom Nürburgring eine feste Institution sein. Im Ausland wurde das Rennen lange Zeit, wenn es überhaupt wahrgenommen wurde, eher belächelt. Racer wie James Glickenhaus sind da die Ausnahme.
Fotostrecke: Alle Sieger der 24 Stunden Nürburgring

Die ADAC-Nordrhein-Vision sähe also folgendermaßen aus: die allerkleinsten Autos mittelfristig raus – der zeitgleich mit der Nenngeldstruktur verkündete 300 PS starke Cup-Polo würde eine gute Untergrenze ziehen, von Exoten wie dem Dacia mal abgesehen -, große Partner rein, Präsenz des Rennens auf international bedeutenden TV-Kanälen. Vielleicht eines Tages sogar ein Rolex-Sponsoring wie in Le Mans und Daytona.
Nun braucht ein ADAC Nordrhein für solche Verhandlungen natürlich eine langfristige Planungssicherheit. Auch der Nürburgring wäre bereit, einen 10-Jahres-Vertrag zu machen, denn er profitiert gleichermaßen. Das würde es dem ADAC Nordrhein ermöglichen, in einer starken Position in Verhandlungen mit potenziellen Partnern zu gehen, und der Streckenbetreiber würde wohl ebenfalls profitieren.
Nun gibt es aber ein Problem, das alles derzeit unmöglich macht: das Gerichtsverfahren der VLN gegen die NR Holding. Dieses blockiert derzeit alles. Das dürfte auch der Grund sein, warum der ADAC Nordrhein mit RTL “nur” um vier Jahre verlängern konnte – angeblich, so ist es aus Branchenkreisen zu hören, mit einer Klausel, die einen Ausstieg ermöglicht, falls er keinen Termin bekommt. Nicht gut für Verhandlungen.
Und alle Ergebnisse können eigentlich nur schlecht ausfallen. Sollte der Nürburgring gerichtlich dazu verdonnert werden, diskriminierungsfrei Termine zu vergeben, könnte er keine langfristigen Verträge mehr machen. Er müsste das 24-Stunden-Rennen im schlimmsten Fall jedes Jahr neu ausschreiben und Interessenten abwarten.
Da es am Nürburgring strikte Lärmschutzgesetze gibt, gibt es nur einen 24h-Termin. Sollte sich mehr als ein Interessent finden, würde es bedeuten, dass der Nürburgring den 24h-Termin zwischen den Interessenten diskriminierungsfrei rotieren müsste.
Das wäre für den ADAC Nordrhein der GAU. Es soll ihn bereits erschreckt haben, wie 2023 einfach ein AvD hereinspazieren und sich fünf Nürburgring-Termine für eine Langstreckenserie sichern konnte. (Wie der erste Langstreckenstreit am Nürburgring ablief)
Wenn die schlimmste Befürchtung selbst herbeigeführt wird
Momentan ist kein ernsthafter gegnerischer Interessent für das 24-Stunden-Rennen in Sicht. Dennoch hat der ADAC Nordrhein die Eskalationsspirale mit der neuen Serie gewaltig hochgeschraubt – und das könnte ihm jetzt zum Verhängnis werden, sollte er zu viele Stakeholder gegen sich aufbringen.
Eine spirituell sehr weise Person sagte mir einmal: “Wenn du dich ständig mit dem beschäftigst, was dir am meisten Angst macht, wirst du am Ende genau das manifestieren.”
Die NR Holding hat genau diese Weisheit bereits am eigenen Leib zu spüren bekommen, als ihr Versuch, die Kontrolle über den Langstreckensport am Nürburgring zu übernehmen, in der “Essential Facility”-Klausel endete, die für sie ein schmerzhafter Stachel im Wirtschaftsfleisch ist.
Die größte Hoffnung im Sinne des Sports wäre, dass der ADAC Nordrhein die neue Serie als gewaltige Verhandlungsmasse einsetzt, um die NLS dazu zu überreden, das Gerichtsverfahren aufzugeben. Doch die NLS will langfristige Startgarantien, was ihr niemand verübeln kann. Wie auch immer, zwei Serien sind sportlich wieder einmal der Worst Case.
Der beste Weg kann nur über eine Einigung aller Parteien führen. Ein Teamchef schlägt bereits rabiate Maßnahmen vor: “Alle in einen Raum sperren und nicht wieder rauslassen, bis sie sich einig geworden sind. Und gebt ihnen Brot und Wasser, sonst würde der eine noch darauf warten, dass der andere verdurstet.”
Es bleibt also spannend. Spannender, als es jedem Teilnehmer, der am Nürburgring Rennen fahren will, lieb sein kann.
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Euer
